Chor 1996

Chronik des MGV Quartettverein Rheingold Oberhausen 1921 e.V.

Obwohl gerade in unserer Vaterstadt namhafte Männerchöre beachtliche Leistungen in der Pflege des Männergesangs vollbrachten, fanden sich im Frühsommer 1921 zunächst acht junge, sagesfreudige Männer, mit der Absicht ein Doppelqurtett, daß aus dem Rahmen der zahlreichen Männerchöre, sozusagen als Kammerchor zu betrachten war, zusammen.

Erster Chorleiter wurde der Kantor der St.Marien Kirchengemeinde und Musiklehrer, Herr Wilhelm Grasshoff. Als eines der ersten Chorwerke probte man "Hymne an die Musik" von Willi Lachner. Die Pflege galt nicht nur den Kunstchören, sondern vor allem dem deutschen Volkslied. Schin recht bald erwies sich, daß der Chor, zum Winter 1921/22 bereits um weitere acht erhöhte, nun Quartettverein, den an größere Werke gestellten Anforderungen nicht gewachsen war. Weil die bisherigen und weiter gezeigten Leistungen in Konzerten und vor allem auf Wettstreiten größte Erfolge zeitigten, was die hiesige und auswertige Presse besonders würdigte, wurden weitere Erhöhungen der Sängerzahl vorgenommen.

Bei den Beantragten Neuaufnahmen wurden harte Maßstäbe angelegt, so daß das Leistungsniveau ständig stieg. Im Jahre 1922 übernahm der in weiten Kreisen bekannte Chorleiter August Loosen, Duisburg, die musikalische Leitung des Vereins. Unter seiner Leitung hat Rheingold dann die größten erfolge erzielt, welch nur von wenigen Vereinen erreicht wurde. Zu erwähnen wären an dieser Stelle die zahlreichen Wettstreite, wobei Rheingold unter schwerster Konkurrenz über 90 erster Klassen-, Hauptehren- und Dirigentenpreise errang.

Insbesondere sind die Wettstreite in Oestrich-Winkel (Rheingau), Lüdenscheid, Mühlheim-Broich, Heidesheim, (Rheinhessen), Bergen bei Frankfurt, Griesheim bei Darmstadt (Reichspräsidenten-Ehrenpreis), Bischofsheim/Gaualgesheim bei Bingen, in Erinnerung geblieben. Zu diesen großen Wettstreiten sind weiter besonders zu erwähnen die ausverkauften Konzerte in Oberhausens schönstem Konzertsaal, der "Union", der leider den Bomben zum Opfer gefallen ist.

Ferner die Konzertreisen zu größeren Badeorten, z.B. Beverweyk (Holland), sowie die verschiedenen Konzerte im Rundfunk. Der Krieg ging auch am Leben des Vereins nicht spurlos vorübe. Zahlreiche Einberufungen von Sängern brachte bald größere Schwierigkeiten in der Probenarbeit mit sich. Diese Tatsache, die sich auch bei anderen Männergesangsvereinen unserer Vaterstadt ebenso nachteilig auswirkte, führte die noch in der Heimat verbliebenen Sänger zum Zusammenschluß in der Kriegssängervereinigung, die erfreulicherweise vom Chorleiter August Loosen uneigennützig betreut wurde.

Auch hier wurden mit Sängern der Brudervereine große Konzerte erfolgreich der heimischen Bevölkerung zu Gehör gebracht. Nach Beendigung des Krieges hat der damalige 1.Vorsitzende, Hugo Kleinholz, die Sänger wieder zusammengeführt. Der inzwischen nach Korbach/Waldeck übersiedelte Chorleiter August Loosen konnte die Leitung nicht wieder übernehmen. An seiner Stelle übernahm Karl Eberhardt, Duisburg-Hamborn, die Leitung des Vereins.

Vorstand 1996Nach gelungenem Wiederaufbau wurde unter diesem Dirigenten im Jahre 1946 erstmalig wieder ein Wettstreit in Westick bei Kamen besucht. Der verein errang in der Sonderklasse A alle ersten Preise. Ebenfalls wurde der im nachfolgenden Jahr besuchte Wettstreit in Hagen wieder ein voller Erfolg. Leider war die Feier des 25-jährigen Bestehens im Jahre 1946 durch die damaligen Zeitverhältnisse sehr getrübt. Die Feierlichkeiten konnten nur in einem ganz bescheidenen Rahmen stattfinden. Das Vereinsleben jedoch nahm fortan wieder seinen Aufschwung. Viele und vor allem junge Sänger strebten dem Verein zu, um an der Pflege des deutschen Liedes teilzunehmen.

Zum Ende des Jahres 1947 übernahm als künstlerischer Leiter Herr Edmund Schmitz, Bottrop, den Rheingold. Auch unter diesem Chorleiter wurden, würdig die Tradition des Vereins, Konzerte veranstaltet und mit durchschlagendem Erfolg an dem Wettstreit anläßlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Kamen teilgenommen. Die intensive Probenarbeit hatte die Erringung aller ersten Preise in der Stadtklasse zum Ergebnis.

Zu diesem Zeitpunkt mußte aber auch ein Vorstandswechsel vorgenommen werden. Der langjährige Vorsitzende Hugo Kleinholz übergab bei der Jahreshauptversammlung 1949, altersbedingt, den Vorsitz an Hans Backes weiter. Das vom Sängerkreis Oberhausen im Januar 1950 durchgeführte Kreisleistungssingen brachte den gewünschten Erfolg mit der Zulassung zum späteren Bezirksleistungssingen. Im Frühjahr des Jahres 1950 übernahm als Chorleiter Herr Hans Disselkamp, Bottrop, die künstlerische Leitung des Rheingold. Um dem Verein noch mehr, als bisher, junges Stimmenmaterial zuzuführen, setzte eine verstärkte Werbetätigkeit ein. So konnte der Verein im Jahre 1951 mit der stattlichen Zahl von 68 Sängern das 30-jährige Vereinsjubiläum feiern. Unter dem Chorleiter Hans Disselkamp setzte nun auch eine erfolgreiche Arbeit ein.

Durch die schnellebige Zeit gezwungen, sah nun der Verein seine Hauptaufgabe darin, die Pflege des deutschen Liedes und die Verbundenheit zu anderen Brudervereinen an die erste Stelle zu setzen. So betrachtet, veranstaltete der Verein in den folgenden Jahren zwei bis drei Konzerte pro Jahr und darüber hinaus seine traditionsgemäßen Sängerfahrten zu befreundeten Vereinen. Hier sind besonders erwähnenswert die Fahrten nach Solingen, Zeltingen/Mosel, Mittelbollenbach/Hunsrück und Eichen bei Flammersfeld. Einen besonderen Höhepunkt brachte die Fahrt zum Bundessängerfest 1956 nach Stuttgart, an dem der Verein geschlossen teilnahm, und somit wesentlichen Anteil daran hatte, daß es dem Sängerkreis Oberhausen möglich war, ein Stundenkonzert zu veranstalten. So erinnern wir uns gern der guten Pressekritiken der Süddeutschen Tageszeitungen, die somit dem Sängerkreis Oberhausen die Möglichkeit gab, die Heimatstadt über die Grenzen hinaus bekannt werden lassen.

MGV Rheingold


Eine weitere Aufgabe der Breitenarbeit führte uns mit allen Disselkampschen Chören zu einem Jubiläumskonzert anläßlich der 25-jährigen Chorleitertätigkeit unseres Chorleiters Hans Disselkamp zusammen. Auch hier erinnern wir uns wiederum gern der best gelungenen Konzertveranstaltungen in Rheinhausen, Bottrop und hier in Oberhausen. Im Dezember 1959 kam der langjährige und rührige Vorsitzende Hans Backes bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Der Verlust war für den Chor sehr groß. In der Jahreshauptversammlung 1960 wurde Otto Nürnberg zum 1.Vorsitzenden gewählt. Die 60er werden als Krisenjahre in die Vereinsgeschichte eingehen.

Im Jahre 1963 verließ unser langjähriger Vereinwirt, Bruno Holzen, Oberhausen und setzte sich in Niederbretbach zur Ruhe. Da wir mit dem Wirt-Nachfolger im "Styrumer-Hof" nicht zurecht kamen, wechselten wir zur Gaststätte "Ostentor", auf der Mülheimer Straße. Aber auch hier wurde die Sängerzahl immer weniger. Nach längerer Krankheit verstarb im Jahre 1966 der 1.Vorsitzende. Werner Conrad wurde kommissarisch mit der Vereinführung beauftragt. In der Jahreshauptversammlung, im Jahre 1966, bestätigte die Versammlung Werner Conrad als 1.Vorsitzenden. Trotz aller Appelle an die Aktiven, wurde die Sängerzahl immer weniger. Konzerte konnten nur noch in Gemeinschaft mit dem Sängerbund Hüttenwerk diurchgeführt werden.

Lediglich im Jahre 1968 veranstaltete der Chor ein eigenes Konzert in der Aula des Bertha-von-Sittner Gymnasiums, das auch regen Zuspruch hatte. Dennoch war es nicht zu erklären, daß die Proben immer schlechter besucht wurden und der Chor um seine Zukunft bangen mußte. So wurde im September eine außerordentliche Versammlung in dre Gaststätte "Haus Kassen" einberufen. Die 32 anwesenden Sänger beschlosse einstimmig, zum Gründerlokal des Vereins, ins Restaurant "Bismarck-Eck" zurückzukehren. Hier hatten wir Glück, in Willi Merwar einen Wirt gefunden zu haben, der selbst leidenschaftlicher Sänger war und der dem Verein viele Impulse gab. Durch die Werbetätigkeit führte er dem Chor etliche aktive Sänger und im Laufe der Jahre fast 100 passive Mitglieder zu. An seinem 50. Jubiläum zählte der Chor bereits wieder 43 aktive Sänger. Die Festlichkeiten anläßlich unseres 50-jährigen Vereinsjubiläums begannen am 30.04.1971 mit einem Sängerkommers, an dem unsere Sangesfreunde aus Rettert/Taunus teilnahmen.

Im Haus "Union" fand die Jubelehrung statt. Anschließend wurde ein Freundschaftssingen mit den Sängern aus Rettert veranstaltet. Am 1. Mai gedachten wir am Grab unseres langjährigen Vorsitzenden Hugo Kleinholz allen verstorbenen Rheingold-Sängern. Abends wurde ein bunter Abend im Vereinslokal "Bismarch-Eck" mit unseren Gästen aus Rettert veranstaltet. Am 2. Mai verabschiedeten wir unsere Freunde aus Rettert mit einem ausgedehnten Frühschoppen gegen 17.00 Uhr. Am 17.Oktober fand im Mittelsaal der Stadthalle ein Festakt statt, bei der Vertreter befreundeter Chöre, von Rat und Verwaltung sowie der Kirchen anwesend waren. Die Festansprache hielt der damalige Kulturdezernent unserer Stadt, Herr Hermann Oesterwind. Der Höhepunkt des Jubiläums war jedoch ein Festkonzert im großen Saal der Stadthalle mit dem Polizeiorchester aus Düsseldorf sowie mit Kammersänger Fritz Uhl von der Stattsoper München. Das Konzert fand am 21. Oktober statt. 1200 Zuhörer waren von dem Konzert restlos begeistert.

Es sollte ein neuer Anfang sein für Konzerte anderer Mission. Seit dem Jubiläum stellten wir uns die Aufgabe, Konzerte nur noch in der Stadthalle zu veranstalten. Nach einer schöpferischen Pause im Jahr 1972, kein Konzert, veranstalteten wir am 5. Mai 1973 mit den Schaumburger Märchensängern ein Konzert in der Stadthalle Oberhausen. Trotz Frühling kamen wieder 1000 Zuhörer. Das Herbskonzert im Jahre 1974 mit Gerd Meining, Bariton, vom Stadttheater Regensburg, dem Frauenchor der Pfarre St. Michael Bottrop, sowie dem Polizeiorchester der Stadt Essen,  war ebenfalls sehr erfolgreich. Im Jahre 1975 fand das erste Weihnachtskonzert statt. Mitwirkende waren die Schildberger Sing- und Spielschar aus Mühlheim. Ein ausverkauftes Haus und ein total begeistertes Publikum veranlaßten den Vorstand diesen Termin, 3. Advent, für unser jeweiliges Jahreskonzert vorzusehen.

Lediglich im Jahre 1976 mußten wir noch einmal ausweichen, da dieser Termin von der Stadthalle bereits vergeben war. Aus diesem Grund fand am 12.12.1976 ein Weihnachtskonzert in der St. Marienkirche statt. Mitwirkende waren das Akkordeonorchester der städt. Musikschule unter der Leitung von Herbert Beckmann. Auch hier bedankten sich die Zuhörer der vollbesetzten Kirche für die guten Leistungen des Chores und des Orchesters. Das der Chor auch zu feiern versteht, bewiesen etliche Frühlingsfeste im Mittelsaal der Stadthalle. Da dieser Saal auf Dauer zu klein war, nur 280 Plätze, wagten wir am 6. November 1976 den Schritt, ein Herbstfest im großen Saal der Stadthalle zu veranstalten. 950 Gäste sorgten für ein gut besetztes Haus. 2 Kapellen im großen Saal, ein Alleinunterhalter in der Wandelhalle, ein Spitzenprogarmm mit Heino Conti, Artisten, den 8 Robertis, Conferencier Jo Hüster, sorgten für ein total begeistertes Publikum.

Damit war der Rheingold-Ball geboren. Das Jahr 1977 war wohl eines der erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. Am 21.4. gaben wir im großen Saal der Stadthalle ein Frühjahrskonzert mit Horst Günter, Baß, Duisburg, sowie dem Akkordeonorchester der Musikschule. Gut 800 Zuhörer waren anwesend. Der 2. Rheingold-Ball fand am 22.10.1977 statt. Wieder sorgten 2 Kapellen im großen Saal, eine Band in der Wandelhalle, sowie ein internationales Showprogramm mit einem der besten deutschen Conferenciers, Herbert Heuft, für einen unvergeßlichen Abend. Die Halle war mit 1.050 Besuchern ausverkauft. Ein Höhepunkt war das Weihnachtskonzert am 18.12.1977 mit Kammersängerin Elisabeth Steiner, Hamburg, den Klosterspatzen und dem Frauenchor der Pfarre St. Michael, Bottrop. Auch hier konnten wir ein ausverkauftes Haus und ein total begeistertes Publikum vermelden.

Konzerte

Seit 1978 fanden nun regelmäßig am 3. Advent Konzerte statt. Es wurden nicht immer reine Weihnachtskonzerte dargeboten, oft standen auch Klassiker aus Oper und Operette auf dem Programm. Man erfand darum auf der Plakatwerbung als Ankündigung die Bezeichnung: "Festkonzert zur Weihnachtszeit". Alle Konzerte aufzuführen, wären für den Chronisten zuviel und für den Leser zu langweilig. Aus diesem Grunde beschränken wir uns darauf nur einige Mitwirkende aufzuführen. Als Kinder- und Jugendchöre wirkten mit:

  • Die Oberhausener Klosterspatzen (3 mal)
    • Ltg. Pater Gerhard Kaußen
  • Die Schildberger Sing- und Spielschar
    • Ltg. Hans Georg Pappe
  • Die Schaumburger Märchensänger
    • Ltg. F.W. Tebbe
  • Die Westfälischen Nachtigallen
    • Ltg. Dietmar Hahn
  • Der Trixi Mädchenchor
    • Ltg. Beatrix Jücher
  • Der Kölner Kinderchor
    • Ltg. Hans-Günter Lenders
  • Die Sängerjudend Siebengebirge
    • Ltg. Ingrid Fliersbach
  • Der Kinder- und Jugendchor        
  • der Musikschule Ratingen
    • Ltg. Werner Schürmann

An Frauenchören wirkten mit:

  • Frauenchor der Pfarre St. Michael, Bottrop (3 mal)
  • Der Frauenchor Repelen (2 mal)
  • Der Weseler Frauenchor (3 mal)

An Orchestern wirkten mit:

  • Das Jugend-Synphonie-Orchester Bochum            
  • Mitglieder der Duisburger Synphoniker (3 mal)
  • Mitglieder des Orchesters der Stadt Essen (3 mal)
  • Das Ruhrland Orchester
    • Ltg. Ortwin Beninghoff
  • Das Orchester des Theaters
  • der Stadt Oberhausen
    • Ltg. Antoni Wiecherek
  • Das Streicher-Ensemble der Serenata Hungarica
  • Das Gladbecker Kammerorchester e.V. (2 mal)

Als Solisten wirkten mit:

  • Friedhilde Filser, Sopran - Oper Essen
  • Elisabeth Steiner, Alt  - Stattsoper Hamburg
  • Patricia Stone, Sopran -  Oper am Rhein
  • Christine Alexander, Sopran - Gelsenkirchen (2 mal)
  • Sonja Zlatkowa, Sopran - Oper Dortmund
  • Hale Al Orfali, Sopran - städt. Bühnen Krefeld
  • Ulrich Hielscher, Baß - Oper Köln
  • Max Voigt, Tenor - Theater Aachen
  • Andrea Poddighe, Tenor - Theater Oberhausen
  • Eugene Holmes, Baß - Oper am Rhein
  • Georgi Tscholakoff, Tenor - Oper am Rhein
  • Guido Lentjes, Bariton - Theater Erfurt
  • Richard Medenbach, Baß - Oper Essen
  • Jochen Schäfe, Tenor -  Staatsoper München

Alle Konzerte fanden im fast immer vollbesetzten, meist ausverkauften, Saal der "Luise-Albertz-Halle" statt. Gute Kritiken der Presse bestätigen das hohe Niveau der Konzerte und die guten Leistungen des Rheingold-Chores, sowie aller Mitwirkenden. Auch in Zukunft wollen wir mit anspruchsvollen Konzerten an die Öffentlichkeit gehen.